Peter Herbrand

Der Bataveraufstand

Nach dem Aufstand des Vindex (ab März 68 n. Chr.) wurden die beiden bei der
Truppe beliebten Statthalter der germanischen Militärbezirke, die sich dem
neuen Kaiser Galba verdächtig gezeigt hatten, ersetzt. In Untergermanien
wurde Aulus Vitellius Statthalter, der aber kurz darauf als Kaiserkandidat
nach Rom zog, In Obergermanien wurde der fußkranke Hordeonius Flaccus
eingesetzt, dem von seinem ehemaligen Kollegen Vitellius, als dieser nach
Italien ging, auch der niedergermanische Militärbezirk übergeben wurde.

Etwa Anfang September 69 n. Chr. brach im Batavergebiet ein Aufstand der
Canninefaten aus, die von Friesen unterstützt wurden. Alle Römer, Militär
genauso wie Zivilisten, wurden aus dem Rheindelta vertrieben. Der geheime
Hintermann des Aufstandes soll der Bataverfürst Civilis gewesen sein, der
im Einvernehmen mit Antonius Primus, dem Sachwalter Vespasians im Westen,
als Vespasianer gehandelt haben soll. Der römische Gegenschlag des
örtlichen Legaten Lupercus aus Vetera wurde zurückgeschlagen, weil einige
Hilfstruppen, darunter Iulius Civilis mit seiner Einheit, die Seite
wechselte und offen den Befehl über die Aufständischen übernahm. Lupercus
wurde von Civilis in Vetera eingeschlossen und belagert.

Acht kampferfahrene Bataverkohorten, die vorher lange in Britannien gedient
hatten, schlugen sich zu Civilis durch und stellten eine große Verstärkung
dar.
Flaccus schickte von Mainz aus Truppen nach Gellep unter dem Befehl des
Legaten Vocula. Er selbst folgte mit dem Schiff bis Neuss. Unterwegs soll
Flaccus dem Vocula den Oberbefehl übertragen haben. Es folgen beiderseitige
Plünderungszüge: Vocula im Cugernergebiet, Civilis bei Ubiern, Menapiern
und Morinern.

In Germanien wurde Anfang November die Niederlage des Vitellius bekannt.
Die Legionen leisteten infolge ihrer Parteinahme für Vitellius nur
widerwillig dem neuen Kaiser Vespasian den Treueeid, anders ihre Offiziere.
Civilis seinerseits setzte trotz des Vespasianischen Sieges seinen Kampf
fort, nun gegen Rom. Vocula brach die Belagerung Veteras, zog aber unter
Schwächung der dortigen Besatzung nach Neuss rheinaufwärts. Civilis
erneuerte sofort seine Belagerung um Vetera. Im Neusser Lager kam es zu
einer Meuterei in deren Verlauf Flaccus erschlagen wurde. Vocula konnte
sein Leben retten.

In einem Kölner Privathaus fand eine Verschwörung statt mit dem erklärten
Ziel der Befreiung Galliens von Rom. Beteiligt waren Lingonen,  Treverer,
besonders Iulius Classicus, einzelne Tungrer und Ubier und, durch Boten
Civilis. Vocula, wieder Herr über zumindest eines Teils der Legionen, soll
angeblich Kenntnis von der Kölner Verschwörung gehabt haben. Dennoch zog
er, sich auf die Hilfstruppen unter der Führung von Verschwörern stützend,
in Richtung Vetera. Dort liefen die Verschwörer offen zu Civilis über,
worauf Vocula sich auf Neuss zurückzog. Die Verschwörer folgten und
errichteten in kurzer Entfernung ein Lager. Es kam zu friedlichen Kontakten
zwischen den Lagern. Schließlich wurde Vocula von einem gekauften Römer
erschlagen und Classicus, der Anführer der Verschwörer, in das Lager gelassen.

Iulius Classicus zog im Kaiserornat in das Legionslager Neuss ein und ließ
die dortigen Legionäre einen Treueeid auf ein "Imperium  Galliarum"
schwören. Boten wurden zu den Hilfsvölkern gesandt, die dort um Truppen und
Verpflegung ersuchen sollten. Ferner wurden in der Belgica die Büsten des
Vitellius wieder aufgerichtet. Classicus konnte seine Macht südlich bis
über Mainz hinaus ausdehnen, den Raum nördlich der Eifel überließ er aber
dem Civilis. Der Versuch der Treverer, neben den Lingonen weitere gallische
Bundesgenossen zu finden, schlug auf einer Konferenz in Reims fehl.

Vetera fiel. Die überlebenden Römer wurden von den Germanen unter Bruch des
zugesagten freien Abzuges getötet. Petillius Cerialis, Schwiegersohn des
Vespasian, wurde mit der Niederschlagung des Bataveraufstandes beauftragt.
Er kam aus Italien über Mainz ins Treverergebiet, wo er die Truppen des
Classicus mehrmals besiegen und Trier selbst einnehmen konnte. Die ehemals
abgefallenen römischen Legionen schlossen sich ihm an. Classicus floh zu
Civilis, der ihn als Unterfeldherrn einsetzte. Civilis wurde geschlagen,
als er Trier zurückerobern wollte. Als Folge zog sich Civilis geschlagen,
aber nicht besiegt geordnet bis auf Vetera zurück.

Mehrere Monate später erst kam es bei Vetera zu einer zweitägigen Schlacht,
die mit einem unvollständigen römischen Sieg endete. Civilis konnte sich
mit seinen Truppen auf die Bataverinsel selbst zurückziehen. Cerialis ließ
eine Brücke zu der Bataverinsel bauen und begann diese zu plündern. Im
batavischen Lager machte sich eine Kriegsmüdigkeit breit, die Cerialis
diplomatisch durch Verhandlungen zu einzelnen Gruppen auszunutzen verstand.
Schließlich erklärte sich Civilis auch zu offenen Verhandlungen bereit.
Leider bricht der taciteische Bericht während der Rechtfertigungsrede des
Civilis mit Cerialis ab.



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letzte Änderung thomas beckers 31.5.00