Die Bewegungstechnik Sportkegeln

Das Sportkegeln stellt eine azyklische und technische Ausdauerdisziplin dar, welche auf speziellen Sportstätten, den Kegelbahnen, mit genormten Spielgeräten (Kegelkugel und Kegel) stattfindet. Das Bewegungsziel des sportlichen Kegelns besteht in der Maximierung von Kegeltreffern, d.h. mit einer Anlaufbewegung sollen möglichst alle 9 Kegel umgeworfen werden.
Kegeln gilt bei Heranwachsenden wie Erwachsenen schon immer als eine interessante Freizeitbeschäftigung, welche ihren Reiz hat. Das sich Messen mit anderen findet tagtäglich auf den vielen, leider zumeist in Gaststätten und Kneipen angegliederten Kegelbahnen statt.
Sportliches Kegeln dagegen findet ausschließlich auf gepflegten Bahnanlagen sowie unter klaren Bedingungen und Sportregeln statt, wodurch sich Sportkegeln gravierend vom Freizeitkegeln abgrenzt.
Sportliches Kegeln vereinigt die Elemente Kondition, Konzentration, Bewegungstechnik und Spieltaktik in besonderer Weise. Dabei dient die Kondition als Grundlage zum Ausspielen von Konzentration, Technik und Taktik. Diese Leistungsvoraussetzungen sind, in unterschiedlicher Gewichtung notwendig, um dann konzentriert die Kegeltechnik unter Berücksichtigung des gegebenen taktischen Konzeptes erfolgreich ausführen zu können.
Die Kegeltechnik als solche
gliedert sich in den Aspekt der Bewegungstechnik
und in den der Spieltechnik.
Bewegungstechnik
Die Bewegungsablauf des Sportkegelns hat, biomechanisch gesehen, drei verschiedenen Anforderungen zu entsprechen:
Die Spielkugel soll von einem möglichst hoch gelegenen Punkt in möglichst kraftsparender Art innerhalb einer bestimmten Laufdistanz bis zum Boden bewegt und dort "weich" aufgesetzt werden.
Das kontrollierte Zusammenfließen aller sich bewegenden Körperteile - hinsichtlich Rhythmus und Tempo - ergibt das spezielle Timing des Bewegungsablaufes beim Sportkegeln.
Im Sinne der Erfüllung o.g. Bewegungskriterien besteht der Bewegungsablauf Sportkegeln aus sechs Funktionsphasen, deren rhythmisch korrekte Abfolge die Voraussetzung für die nach der Kugelabgabe zu bildende erfolgbringende Kugellauflinie ist. Diese Funktionsphasen unterscheiden sich nicht nur morphologisch, sondern auch in ihrer Bedeutung für den Bewegungserfolg.

Abb. 1: Übersicht des Bewegungsablaufes Sportkegeln (Schema, verändert nach Ch. Kammler)
Die Vorbereitungsphase setzt
sich aus drei einzelnen Bewegungselementen, der Grundstellung, dem Auftakt sowie
der Schrittfolge zusammen und dient zum einen der Beschleunigung der Spielkugel
als auch ihrer Annäherung an den Boden. In der Hauptphase dagegen
wird die Spielkugel auf der Anlaufbohle aufgesetzt und in Richtung des
Kegelstandes abgespielt. Die sich anschließende Endphase besteht aus den
Funktionsphasen Abfangschritt und Schlussstellung, um die Bewegung abzubremsen.
Das sinnvolle und stimmige Aufeinanderfolgen der Bewegungsphasen bestimmt den Bewegungserfolg und das erzielbare Ergebnis auf der Kegelbahn. Fehler in einer der Bewegungsphasen führt unweigerlich zu Kompensationsbewegungen und oftmals zum Misserfolg.
Im folgenden sollen die
einzelnen Funktionsphasen im Detail näher vorgestellt werden.
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Funktionsphase I : GrundstellungDie Grundstellung umfasst die Aufstellung sowie die Körperhaltung des Kegelsportlers. Die Aufstellung erfolgt individuell innerhalb des Spielbereichs je nach Körpergröße bedingter Schrittlänge des Keglers/der Keglerin. Der Aufstellpunkt wird vom Spielarm bestimmt, der während des Bewegungsablauf über der parallelen Verlängerung des Aufsatzpunktes pendelt. Bei der Aufstellung steht der Sportler mit den in normaler Gehstellung befindlichen Füßen parallel zur Aufsatzbohle. Der Oberkörper ist aufrecht bis leicht angebeugt, wobei die Schulterlinie möglichst waagrecht und rechtwinklig zur Aufsatzbohle liegt. Der Spielarm hält mit gespreizten Fingern (Daumen und kleiner Finger bilden auf der Kugel einen Winkel von ca. 180 Grad) die Spielkugel locker vor dem Körper, unterstützt durch die Nichtspielhand. Die Grundstellung dient als Konzentrationsphase, währenddessen der Fixierpunkt - der gedachte Punkt auf der Anlauffläche, über den die Kugel laufen muss, um optimal in das Bild einzuschlagen- anvisiert wird. |
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Funktionsphase II: Auftakt Mit dem Auftakt setzt die eigentliche Anlaufbewegung ein. Als Auftakt bezeichnet man das leichte, kraftlose Anheben des Spielarmes. Diese Armbewegung hat zweierlei zentrale Aufgaben zu erfüllen: Durch diese Verlängerung des Spielarmpendels werden Pendelbewegung und Beinbewegung im Hinblick auf die Anzahl der Einzelbewegungen angeglichen. Sowohl Armpendel als auch Schrittfolge umfassen drei Einzelbewegungen. Da der Auftakt leicht zur Seite erfolgt, kann der Arm im folgenden gerade nach hinten am Körper vorbei pendeln. Ein Umlaufen oder um den Körper Herumschleudern der Kugel unterbleibt. Mit der Rückführung des Spielarmes aus der Auftaktbewegung setzt der 1.Schritt des Anlaufes ein.
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Funktionsphase III: Schrittfolge
Die Schrittfolge wird in einer geraden Bewegungslinie ausgeführt, wobei der Anlauf als Verlängerung der Kugellauflinie zu verstehen ist. Der Anlauf besteht aus drei Schritten unterschiedlicher Länge, der beim Rechtshänder mit dem linken und beim Linkshänder mit dem rechten Fuß begonnen wird. Die Schrittfolge sollte klein, mittel und groß (Ausfallschritt) sein, da das Ziel dieser Schrittfolge darin besteht, die nötige Energie für die Kugelabgabe zu gewinnen - mit jedem Schritt tankt der Spieler mehr kinetische Energie auf - und die Schwingweite des Armpendels mit den Schrittweiten zu koordinieren. |
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Mit dem ersten Schritt (klein) wird der Spielarm aus dem Auftakt nach hinten auf Höhe des Beckens geschwungen, um mit dem mittelgroßen zweiten Schritt den höchsten Punkt der Pendelbewegung zu erreichen. Mit dem großen dritten Schritt, dem sogenannten Ausfallschritt, wird der Spielarm wieder eng am Körper entlang nach vorn geführt, um die Kugel mit maximaler Geschwindigkeit abzuspielen. |
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Mit dem ersten Schritt setzt das Beugen des Oberkörper ein, wobei mit jedem Schritt der Winkel zwischen Oberschenkel und Rumpf zum Ausfallschritt hin spitzer wird. Im Ausfallschritt ist somit der tiefste Punkt des Oberkörpers erreicht, der es ermöglicht, mit gestrecktem Spielarm die Spielkugel auf die Anlauffläche aufzusetzen. Während der gesamten Spielarmbewegung verbleibt das Handgelenk des Spielarms gestreckt und starr, um einen ungenauen Kugelaufsatz zu vermeiden. Der Nichtspielarm unterstützt mit Beginn des Auftaktes die Schrittfolge, indem er seitlich nach außen geführt wird und derart das Körpergleichgewicht während des Bewegungsablauf stabilisiert. |
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Funktionsphase IV:
Kugelabgabe Mit dem dritten Schritt befindet sich der Sportler in einem Ausfallschritt, bei dem der Oberkörper so tief angebeugt ist, dass die Kugel ohne die Schulterschiefstand abgegeben werden kann. Die Kugel wird weich aufgesetzt und mit der geöffneten Hand des Spielarmes kurzzeitig geführt. Die Augen sind in diesem Moment der Kugelabgabe auf den Fixierpunkt (Ort, über den die Kugel gespielt werden soll) gerichtet. |
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Mit dem Kugelaufsatz vermittelt der Spieler /die Spielerin der Kugel Laufrichtung und Geschwindigkeit, wodurch letztendlich die Kugellauflinie bestimmt wird. Die Kugellauflinie ist der zurückgelegte Weg der Kugel vom Aufsatzpunkt zum Kegelstand. Sie wird beeinflusst von der Spielhand, dem Abgabetempo, der Kehlung und der Kugellauffläche. |
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Funktionsphase
V: Abfangschritt Nicht die gesamte Energie kann in den Abwurf der Spielkugel hineingelegt werden. Ähnlich wie beim Kugelstoßen und Diskuswurf verbleibt ein Rest an Bewegungsenergie im Körper, welcher mittels eines Abfangschrittes aufgefangen werden muss.Dieser Schritt ist auch aus sportmedizinischen Gründen notwendig, wird doch bei einem vollständigen Abbremsen im Ausfallschritt das Knie mit dem 4fachen des eigenen Körpergewichtes belastet. Eine Überbelastung des Kniegelenkes sowie der Oberschenkelmuskulatur und der Quadrizepssehne sind die Folge, was sich langfristig in einem schmerzhaften Sportschaden manifestieren kann. Der Abfangschritt wird in gerader Richtung nach vorn gegangen und sollte nicht allzu groß sein. Seitliche Abweichungen von der Bewegungslinie sind zu vermeiden, da sich diese in einer Veränderung der Kugellauflinie auswirken können und meistens zu negativen Fallergebnissen führen. |
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Funktionsphase VI: SchlussstellungIm Anschluss an den Abfangschritt richtet sich der Oberkörper vollständig auf und nimmt die der Grundhaltung ähnliche, entspannte Schlussstellung ein. Der Kugelverlauf und der Einschlag in den Kegelstand werden beobachtet, um eventuelle Fehler zu erkennen und beim nachfolgenden Wurf abzustellen. Übermäßige, unnötige Körperbewegungen während des Kugellaufs - z.B. tänzeln, seitliches Wegspringen, Verrenkungen, Armschwingen etc. - sind äußere Merkmale einer verkrampften Spieleinstellung und sind unbedingt zu vermeiden. Mit der Schlussstellung ist der Bewegungsablauf beendet. |
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Die Spieltechnik
Sportliches Kegeln setzt sich aus zwei grundsätzlichen Spieltechniken, dem Spiel in die Vollen und das Abräumspiel, zusammen.
Beim Spiel in die Vollen hat der Sportler bei jedem Wurf ein komplettes Kegelspiel, in der Fachsprache auch Bild genannt, auf das er spielt. Gewertet wird bei vorgeschriebener Wurfzahl die Zahl der abgespielten Kegel. Demgegenüber muss der Spieler beim Abräumspiel – wie der Name schon aussagt – solange auf die Kegel spielen, bis alle abgespielt worden sind. Lediglich der Mittelkegel, König genannt, darf stehen bleiben.
Sowohl das Spiel in die Vollen als auch das Abräumspiel ist sehr variantenreich, da keine Scherenbahn gleich ist wie die andere. Der Kegler ist daher gezwungen, sich bei wechselnden Kegelbahnen immer wieder an die besonderen Verhältnisse der Kegelbahn anzupassen um sein Ziel, viele Kegel abzuspielen, zu erreichen.
Bis auf die B-Jugend werden international wie national 120 Würfe auf vier Bahnen gespielt. Die Sportregeln schreiben vor, dass pro Bahn 15 Wurf in die Vollen und 15 Wurf Abräumen zu spielen sind. Darüber hinaus sind auch die Gassen vorgeschrieben, d.h. die Orte, wo die Kegelkugel in den Kegelstand einschlagen darf. Gespielt wird in den Disziplinen Einzel, Paarkampf und Mixed sowie in der Mannschaft (4 oder 6 Spieler mit jeweils 1 Einwechselspieler). Auch die B-Jugend spielt in diesen Disziplinen – lediglich im Einzel und der Mannschaftsdisziplin werden statt 120 nur 100 Wurf (25 Wurf pro Bahn, zwei Bahnen Volle und zwei Bahnen Abräumen) gespielt. Gewonnen hat bei allen Disziplinen, wer die meisten Kegel abgespielt hat.