Punktionszytologie: Mammae
Abb. 61. FNAB der Mamma bei Fibroadenom.
Abb. 62. FNAB der Mamma bei lobulärem Mammakarzinom.
Abb. 63. FNAB der Mamma bei ductalem Mammakarzinom Malignitätsgrad II.

Indikationen.

Schnelle Abklärung der Dignität palpabler (unter besonderen technischen Umständen auch nicht palpabler kleinerer) Knoten > 1,5 cm der Mamma, mit dem Ziel der Reduktion unnötiger operativer Abklärungen, einer spezifischeren Operationsplanung, ggf. unter Einbeziehung der Patientin, im Rahmen der "Triple-diagnostik" (Palpation, Mammographie, FNAB). Ziel ist die Triage in: operative Abklärung, Kontrolle oder keine weitere Therapie.

 

Gewinnung und Präparation.

Manuelle Punktion palpabler Knoten > 1,5 cm mit 22- oder 23-Gauge-Nadeln, ggf. unter Ultraschallkontrolle; nicht palpable Knoten < 1,5 cm nur mit stereotaktischem Instrumentarium unter mammographischer Kontrolle empfehlenswert. Dünne Ausstriche sofort mit Alkohol fixieren (s. u.). In ca. 20 % der Punktionen ist mit unzureichendem Untersuchungsmaterial zu rechnen (mangelhafte Lokalisations- oder Aspirationstechnik).

 

Differentialdiagnose.

Folgende Entitäten sind zytologisch differenzierbar:

Gutartig: Fettgewebsnekrosen, Granulome, Zysten, Mastitiden, Lipome, Fibroadenome.

Bösartig: Duktale und lobuläre Karzinome. Mastopathien Grad III sind von Karzinomen unter Umständen nicht zu unterscheiden.

 

Treffsicherheiten.

Im Literaturmittel ist mit einer Sensitivität von 90 % und einer Spezifität von 99 % zu rechnen. Ein negativer zytologischer Befund schließt also das Vorliegen eines Karzinoms nicht aus. Die Genauigkeit der histogenetischen Klassifikation spielt beim Mammakarzinom keine Rolle, da die tumorzellpositiven Befunde operativ abgeklärt werden. Bei stereotaktisch gezielter Feinnadelaspirationsbiopsie nicht palpabler Knoten der Brust wird eine Sensitivität von 94,6 % und eine Spezifität von 99,8 % erreicht.

 

Klinische Relevanz.

Ambulant durchführbare, preiswerte, schnelle und komplikationslose Methode zur Identifikation von Mammakarzinomen (vor allem bei jungen Frauen unter 35 Jahren und Tumoren > 1,5 cm im Durchmesser) mit positiven Prädiktionswerten nahe 100 %. Signifikante Reduktion unnötiger operativer Abklärungen bei zytologisch eindeutig negativer Diagnose in Übereinstimmung mit dem klinischen Befund. Eine operative Abklärung ist um den Faktor 5 teurer als eine punktionszytologische.