Punktionszytologie: Pankreas
Abb. 72. FNAB des Pankreaskopfes bei Adenokarzinom.
Abb. 73. FNAB des Pankreasschwanzes bei neuroendokrinem Tumor.

Indikationen.

Prä- oder postoperative Abklärung des sonographischen oder radiologischen Verdachtes auf ein Pankreaskarzinom (DD: chronische Pankreatitis). Die risikoreiche Whipple'sche Pankreatikoduodenektomie (Mortalität 5-20 %) sollte nur nach histologischem oder zytologischem Malignitätsnachweis durchgeführt werden. Bei ausgedehntem Karzinomwachstum kann dem Patienten nach zytologischer Malignitätsdiagnose die Operation erspart werden. Blutungsstörungen sind nur relative Kontraindikationen.

 

Gewinnung und Präparation.

Perkutane Ultraschall- bei größeren, CT-kontrollierte bei kleineren Raumforderungen. Punktion mit 0,7-0,9 mm dicken Nadeln mit Mandrin (Spinalnadeln). Dünne Ausstriche sofort alkoholisch fixieren. Auch intraoperativ kann unter Sicht punktiert werden. Die Rate unzureichenden Untersuchungsmaterials beträgt etwa 10 %. Die Komplikationsraten liegen im Vergleich zur Abklärung mittels Stanzbiopsie (ca. 9 %) oder Keilexzision (ca. 3 %) mit ca. 0,005 % deutlich niedriger.

 

Differentialdiagnose.

Folgende Entitäten sind zytologisch differenzierbar:

Gutartig: Pankreatitis, Pankreasnekrose, Zysten und Pseudozysten. Bösartig: Neuroendokrine Tumoren, duktale Adenokarzinome verschiedener Typen, Azinuszellkarzinom, adenosquamöses Karzinom, maligne Lymphome, Metastasen.

 

Treffsicherheiten.

Die Sensitivität beträgt im Literaturmittel 81 %, die Spezifität 99-100 %. Die Sensitivität der intraoperativen Schnellschnittdiagnostik an Keilbiopsien beträgt im Literaturmittel etwa 85 %, die der intraoperativen Stanzbiopsie etwa 72 %. Durch Einsatz der statischen DNA-Zytometrie (nahezu 100 % der Pankreaskarzinome sind aneuploid) läßt sich die Sensitivität der Methode steigern.

 

Klinische Relevanz.

Technisch einfaches, fast komplikationsloses, hochspezifisches Verfahren zur prä- oder perioperativen Diagnose des Pankreaskarzinoms unter Vermeidung unnötiger Operationen. Auch ein negatives Punktionsergebnis ist in Übereinstimmung mit dem klinischen Befund glaubhaft. Bei Diskrepanzen kann die Punktion problemlos wiederholt werden.