Titel

Ötzi ein Tiroler ?

Fachwelt lacht über den "Homo tirolensis"

Von Hans-Jörg Willuda

Irgendein Spaßvogel wird den Namen beim Mittagsessen in die Welt gesetzt haben. Anschließend machte er dann im Institut die Runde, bis einige Kollegen Spaßund Ernst nicht mehr auseinanderdividieren konnten und den Namen in ihren Veröffentlichungen verwendeten.

Eine Fehlleistung dieser Kategorie ist nun drei Biologen gelungen, die sich eingehend mit der 1991 in den Ötztaler Alpen entdeckten mumifzierten Gletscherleiche beschäftigten. Bei Ötzi, wie die Mumie liebevoll genannt wird, handelt es sich um den etwa fünftausend Jahre alten Leichnam eines Mannes aus der jüngeren Steinzeit. Die Forscher führten in ihrer Untersuchung über Haarreste der Gletschermumie (FASEB Journal Nr.8/1994 S.1166) die neue Artbezeichnung "Homo tirolensis" ein. In völliger Unkenntnis der Nomenklaturregeln bezeichneten sie den Gletschermann, wahrscheinlich unfreiwillig, als eigenständige Art. Um so kurioser war dann, daßauch die Gutachter des FASEB-Journals diesen Fehler nicht entdeckten. Immerhin ist gerade das Gutachterwesen als Sicherheitssystem gedacht, um die Veröffentlichung von unseriösen und unsinnigen Daten zu verhindern.

Der leidige Effekt ist jetzt nicht nur, daßsich einige Wissenschaftler und eine Zeitung lächerlich gemacht haben, sondern daßdie Artbezeichnung "tirolensis" in Zukunft als "nomen nudum" durch die Taxonomie geistert. Dies bedeutet zum einen, daßder Begriff zwar ungültig und zu verwerfen ist, aber auch zum anderen, daßjeder Systematikerzu ihm als irreversiblen Bestandteil der Nomenklatur Stellung beziehen muß.
Wissenschaftlich gesehen ist Ötzi natürlich ein Vertreter des modernen Menschen, ein "Homo sapiens sapiens." Nach heutigem Kenntnisstand hat sich der "Homo sapiens" und der "Homo sapiens neanderthalensis "vor etwa 300 000 Jahren aus der Vorform "Homo erectus" entwickelt. Das heutige Erscheinungsbild des "Homo sapiens sapiens" existiert seit den letzten 150000 Jahren.
Die große Frage, ob Ötzi ein Tiroler war können wir nicht beantworten? Möglicherweise war er auch nur auf der Durchreise.



Qumran - Schriftrollen:

Schnipselpuzzle soll mit Hilfe
der Gentechnik gelöst werden

Von Hans-Jörg Willuda

Da soll mal einer sagen Gentechnik sei zu nichts Nütze. Mit Hilfe molekularbiologischer Techniken hofft man jetzt auf entscheidende Schritte in der Entzifferung der vor 50 Jahren entdeckten Schriftrollen vom Toten Meer. Für Religionswissenschaftler und Historiker sind diese Dokumente von unschätzbarem Wert, da Sie wichtige Einblicke in das geistige und kulturelle Leben zur Zeit Christi erlauben. Die Befürchtung allerschlimmster Auswirkungen auf die heutige Christenheit, durch die Entzifferung und Veröffentlichung der Schriftstücke veranlaßte den Vatikan sie jahrelang unter Verschlußzu halten.
Bisher konnten aus den stark verwitterten Pergamentteilen 15 Schriftstücke rekonstruiert und übersetzt werden. Es verbleiben jedoch mehrere tausend kleine Schnipsel, die allein aufgrund der Form oder des Inhalts nicht mehr zusammengesetzt werden können.

Hier hofft nun ein amerikanisch-israelisches Forscher-Team Abhilfe schaffen zu können, indem es das Material der Pergamentrollen, die Haut von Ziegen, Schafen und Gazellen, gentechnisch analysiert. Dazu sollen aus den einzelnen Schnipseln winzige Mengen DNA isoliert werden, ohne ihnen gleichzeitig Schaden zuzufügen. Mit der Analyse der so erhaltenen DNA soll es anschließend möglich sein das Schnipselpuzzle zu lösen. Was für eine Doktorarbeit !



Können Bienen abstrahieren?

von Katja Roden

Jeder kennt sie - optische Täuschungsbilder, auf denen wir vollständige Figuren zu sehen glauben, wo doch in Wirklichkeit nur unvollständige Dreiecke oder Würfel ab- gebildet sind. Diese Fähigkeit zum abstrahierenden Sehen ist jedoch keineswegs nur dem guten alten homo sapiens vorbehalten. Tatsächlich weisen auch Bienen dieses Abstraktionsvermögen auf, wie Claudia Boacnin und Dora Ventura von der Universität in Sao Paulo feststellten. Sie dressierten Bienen darauf, Dreiecke anzu fliegen, indem sie ihnen Zuckerschälchen auf entsprechenden Umrißzeichnungen präsentierten. In einem anschließenden Experiment legten sie den Bienen dann das sogenannte Kanisza-Dreieck vor, bei dem nur fragmentarisch die Umrisse eines Dreiecks zu sehen sind. Dennoch flogen die Bienen das unvollständige Dreieck ziel sicher an, um nach Futter zu suchen.

Beim Menschen erklärt man sich diese Fähigkeit zum abstrahierenden Sehen durch das Zusammenwirken höherer Gehirnzellen und vermutet eine entscheidende Rolle des Vorwissens. Es gibt aber auch noch eine andere Theorie, wonach bestimmte Nervenzellen so verschaltet sind, daßsie auf Konturen stark ansprechen. Danach wären auch einfacher strukturierte Gehirne in der Lage, geometrische Figuren zu erkennen, die nur andeutungsweise sichtbar sind. Eine Fähigkeit, die den Bienen bei ihren täglichen Umgang mit verschiedensten Blüten und Blüteständen sicherlich sehr hilfreich ist.



Söhne oder Töchter -
alles eine Frage des Onkels

von Katja Roden

Bernhard oder Bianca? Bei der mongolischen Wüstenspringmaus wäre die Namensfrage für den Nachwuchs leicht zu lösen, noch bevor die Mäusedame überhaupt schwanger ist - ein Blick auf die liebe Verwandtschaft genügt. Wie die kanadischen Wissenschaftler Clark, Karpiut und Galef nun feststellten, fällt die Entscheidung, ob ein Weibchen der Gattung Meriones unguiculatus im Laufe seines Lebens mehr Söhne oder Töchter bekommen wird, bereits vor seiner eigenen Geburt. Schon im Uterus- schlauch wird ein Mäusemädchen von ihren ungeborenen Brüdern hormonell beeinflußt. Vermutlich aufgrund des Hormones Testosteron bekommt ein Weibchen, das im Uterus zwischen zwei männlichen Feten herangewachsen ist, später erheblich mehr männliche als weibliche Nachkommen. Brüder erhöhen also die Zahl ihrer eigenen Neffen.

Wie die Auswirkungen dieses Effektes auf die Geschlechterverhältnisse in einer Population reguliert werden, ist noch unklar. Möglicherweise wird eine Dominanz der Männchen dadurch verhindert, daßeben jene Weibchen, die sich zwischen zwei männlichen Feten entwickelten, erst später geschlechtsreif werden. Dadurch bekämen sie in Ihrem Leben entsprechend weniger Nachwuchs, als Weibchen, die im Mutterleib zwischen Schwestern heranwuchsen.


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