Titel

Sind wir alle KleptomanInnen?

von Elena Hanser und Andreas Meske

Diese Schlagzeile verwunderte am 9.6.95 die Leserinnen und Leser der RP. Hatte die AutorIn schließlich die zukünftige "geistige Elite" dieses Landes als KleptomanInnen geoutet, die sich ungesund ernähren und kein ökologisches Bewußtsein besitzen.

Laut Aussage des Leiters des Studierendenwerkes Düsseldorf, Herrn Losen, bezog sich der Artikel auf eine Umfrage der BSÖ. Aufgrund der freizügige Auslegung der Aussagen durch Journalisten entstanden Beleidigungen der Studierenden. Doch so ganz von dem Inhalt des Artikels distanzieren wollte sich Losen anscheinend nicht.

Auch die Düsseldorfer Mitarbeiter, Studierenden und ProfessorInnen lassen das eine oder andere Besteckteil mitgehen. Wie Herr Edelmann, beim Studierendenwerk zuständig für die Verpflegungsbetriebe, der BiOkular mitteilte, verschwanden alleine 1993 aus den Mensen und Cafeterien des Studierendenwerkes Düsseldorf u.a. 1950 Messer, 1400 Löffel, 1820 Kaffeelöffel, 2015 Gabeln, 570 Dessertteller, 580 Speiseteller, 520 Beilagenschalen, 1020 Untertassen, 1020 Kaffeetassen, 1500 Gläser, 935 tiefe Teller, 470 Suppenschalen, 550 Einstellschalen, 360 Eintopfschalen mit einem Wert von über 23000,- DM. Herr Edelmann hält den Artikel zwar für "etwas kraßgeschrieben", jedoch "nicht ganz unrichtig".

Die Resonanz auf Mehrwegsysteme ist an der HHU nicht besonders groß. Zwar bezeichnet Herr Losen das HHU-Studierendenwerk als einen "Vorreiter für Umweltangelegenheiten", jedoch gibt es auch hier Probleme mit der Akzeptanz. Ein großes Problem sind z.B. die Mehrwegflaschen (BiOkular berichtete mehrfach). Die Flaschen haben mit ca. 70% eine geringe Rücklaufquote. Sie stehen überall herum und die HausmeisterInnen beschweren sich öfters beim Studierendenwerk über die dadurch entstehende Mehrbelastung. Pro verschwundener Kakao-, Milch-, Saft- oder Colaflasche mußdas Studierendenwerk 30 Pfennig zahlen. Daher plant Herr Edelmann, nach Möglichkeit zukünftig alle Kaltgetränke in Pfandbechern auszugeben. Dazu müßten allerdings in den Cafeterien spezielle Spülmaschinen errichtet werden.

Die Aussage, daßsich Studierende ungesund ernähren, kann Herr Edelmann nicht voll unterstreichen. Das Stammessen bezeichnet er als "ernährungsphysiologisch ausgewogen". Beim Wahlessen können die Studierenden, wie der Name schon sagt, wählen. "Da wird", so Herr Edelmann, "von den Leuten nicht so sehr auf die Ausgewogenheit geachtet". Meist nehmen sich die Besucherinnen und Besucher der Mensa eine Süßspeise oder ein Schälchen mit den fettigen Wabbelpommes und verzichten dafür auf einen Salat oder etwas frisches Gemüse.


Inhalt BiOkular 13

Gesamtinhalt

Leitseite