Das Grundstudium im Studiengang Diplom-Biologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf war früher, als die Uni noch gar nicht so hieß, als sehr anstrengend und umfangreich bekannt. Die Studenten, die sich jetzt gerade daran versuchen, werden zwar einwerfen, daßes auch heute noch anstrengend ist, in Düsseldorf Biologie zu studieren, aber es ist nicht zu leugnen, daßsich nach diversen Studienreformen viel verändert hat. Die Absicht dieser Reformen war es, das Grundstudium zu straffen und "überflüssige" Kurse oder Vorlesungen einzusparen. Dieses Vorgehen zielte aber nicht darauf, es den Studenten leichter zu machen, sondern man wollte vor allem den Ausstoßan qualifizierten Diplombiologen erhöhen und beschleunigen.
Ob das gelungen ist und ob all diese Ausgestoßenen Arbeit finden, sei dahingestellt, aber tatsächlich sind bei den Studienreformen neben viel bedrucktem Papier einige sinnvolle Dinge herausgekommen. Zum Beispiel wurden Mathematik- und Statistikkurs zusammengefaßt und das zu Recht gefürchtete AC-Praktikum wurde zumindest etwas entschärft.
Als neues Praktikum sind die "Grundübungen in Tierphysiologie" eingeführt worden. Vielleicht erscheint diese Veranstaltung bei Berücksichtigung der oben genannten Bestrebungen für ein Grundstudium etwas übertrieben. Sie hat aber in Düsseldorf durchaus eine Berechtigung, wenn man bedenkt, daßdrei von vier zoologischen Instituten die Endung "-physiologie" in ihrem Namen führen.
Leider wurden im Zuge der Veränderungen auch zwei andere Veranstaltungen aus dem Programm genommen. Früher einmal mußten alle Biologiestudenten im zweiten Semester, d.h. im Sommer, zoologische Bestimmungsübungen und Exkursionen absolvieren. Das war eine anstrengende Sache, denn dieses Semester war vor allem mit anorganischer Chemie und Statistik vollgestopft. Zudem begannen die Bestimmungsübungen am Freitagmorgen um acht Uhr und waren eine Pflichtveranstaltung.
Die Exkursionen fanden sogar noch am Samstag statt, wenn man eigentlich andere Dinge hätte tun können. Trotzdem waren diese Kurse nicht unbeliebt, denn zum ersten Mal währdend des Studiums fand die Biologie nicht nur im Labor und an der Tafel statt, sondern man kam direkt mit der Natur in Berührung und konnte wie ein "richtiger" Forscher mit Lupe, Rollrandgläschen und Gummistiefeln losziehen. Da machte es auch nichts, wenn es einmal regnete, denn für viele Studenten war das Interesse an Tier- und Pflanzenwelt schießlich auch der Grund, sich für Biologie zu entscheiden.Diese Kurse schienen sogar den Professoren Spaßzu machen, und vor allem Herr Peters und Herr Zachariae waren immer in der Lage, die Studenten für die lebendige Welt draußen zu begeistern.
Aber dies alles gehört der Vergangenheit an. Lediglich die Lehramts-Studenten sind verpflichtet, an zoologischen Exkursionen teilzunehmen und erhalten außerdem drei halbe Tage lang eine Einführung in die Tierbestimmung.In der Praxis bedeutet das, daßdie meisten Exkursionsteilnehmer zwar durchaus interessiert, aber völlig ahnungslos in der Gegend herumlaufen. Diejenigen, die etwas mehr wissen, haben das nicht an der Uni gelernt, sondern haben sich schon früher damit beschäftigt, während die anderen vorwiegend dumm aus der Wäsche gucken.
Die auf drei Kurstage reduzierten Tierbestimmungsübungen, in denen früher die Exkursionen ausführlich vor- und nachbereitet wurden und in denen das Wissen über die einzelnen Tiergruppen sinnvoll vertieft werden konnte, werden jetzt fast ausschließtlich dazu genutzt, die 20 Tiere für die immer noch obligatorische Sammlung zu bestimmen.
Die Assistenten sind angesichts der Situation miest relativ hilflos, denn sie müssen sich einerseits um eine relativ große Anzahl von Studenten kümmern, andererseits sind sie aber auch nicht unbedingt Experten. Dabei ist seitens der Studenten durchaus ein Interesse an den Exkursionen vorhanden. In den letzten Jahren haben stets auch etliche Diplomstudenten freiwillig daran teilgenommen. Das ist natürlich einerseits ermutigend, andererseits fürht das auch wieder zu mehr Problemen, solange sich die Situation hinsichtlich der Betreuung und Vorbereitung nicht ändert. Aber danach sieht es nicht aus. Denn kaum ein Professor bietet freiwillig eine Veranstaltung an, die ihm nicht von der Studienordnung vorgeschrieben wird.
Wer also im Grundstudium etwas über die Fauna unserer Heimat und die Lebensweise der Tiere lernen will, mußdies während seiner Freizeit tun, möglicherweise in einem Volkshochschulkurs, der von einem arbeitslosen Diplombiologen abgehalten wird.
Wer sich im Hauptstudium mit der Morphologie beschäftigen will, kann dies gerne tun, allerdings wohl nicht mehr in Düsseldorf. Herr Peters etablierte das zoologisch/Morphologische Großpraktikum als festen Bestandteil des Lehrangebotes an der HHU. Dieses mit einem Seminar verbundene Praktikum gab den Teilnehmern die Gelegenheit, sich in Ruhe und intensiv mit der Anatomie der wirbellosen Tiere zu beschäftigen unda auch die Arbeit mit wissenschaftlicher Literatur zu erlernen. In dem darauffolgenden sechswöchigen Laborpraktikum konnte man einen Einblick in die praktischen Arbeitsmethoden der Morphologie, wie z.B. Elektronenmikroskopie und Histologie, bekommen. Dieses Großpraktikum war vor allem für künftige Diplom- und Staatsexamenskandidaten gedacht.
Als kleines Praktikum wurden die Entomologischen Übungen angeboten. Dieser Kurs war vor allem für fortgeschrittene Studenten gedacht und informierte sehr ausführlich über die Morphologie der Insekten, wobei aber auch viele physiologische Aspekte angesprochen wurden. Hier kam es sogar zu einer institutsübergreifenden Zusammenarbeit, denn Herr Heide arbeitete regelmäßig bei diesem Kurs mit und vermittelte interessantes Wissen über Nervensystem und Flugsteuerung.Die Entomologischen Übungen sind seit dem Weggang von Herrn Peters nicht mehr angeboten worden, denn er führte mit seinen Assistenten gut die Hälfte aller Kurstag durch. Mit dem Kommen von Herrn Mehlhorn werden jetzt wahrscheinlich auch noch die morphologischen Großpraktika gestrichen. Stattdessen wird ein vierstündiges Praktikum "Stämme des Tierreichs" angeboten, welches vor allem Voraussetzung für eine sich anschließende meeresbiologische Exkursion sein soll. Außerdem soll ein Großpraktikum mit dem Titel "Methoden der Parasitologie" durchgeführt werden. Weitere parasitologisce Praktika werden bereits von Herrn Kunz und Herrn Wunderlich angeboten.
Vielleicht ist also die Streichung der zoologischen Exkursionen und Tierbestimmungsübungen doch nicht unberechtigt, denn schließlich sind Kenntnisse über die Morphologie und Ökologie der Tiere für das Biologiestudium an der HHU-Düsseldorf in Zukunft nicht mehr erforderlich oder sinnvoll.
Es bleibt noch zu erwähnen, daßHerr Greven und Herr D'Haese seit dem letzten Wintersemester einen kleinen morphologischen Kurs anbieten und jeweils ein 14-tägiges Laborpraktikum für das Sommersemester planen.