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"Ein sehr schönes Bibliothekssystem"

Es vergeht kaum ein Semester, in dem unsere Bibliothek nicht irgendwelche Neuerungen vorstellt und Änderungen bekanntgibt. Doch inwieweit profitieren wir als Studierende von diesen Innovationen? Werden unsere Belange innerhalb dieser Entwicklung noch berücksichtigt und können wir es uns überhaupt leisten, daran teilzuhaben?
Simone Kroschel und Andreas Meske befragten die Direktorin der Universitäts- und Landesbibliothek Dr. Elisabeth Niggemann.


Nigge-Neumann

Dr. Elisabeth Niggemann, Direktorin der Universitäts- u. Landesbibliothek. Foto: Meske


BiOkular: Können Sie kurz etwas zu Ihrer Person sowie zu Ihren Vorstellungen über Ihre Arbeit als Bibliotheksdirektorin sagen?
Dr. Niggemann: Zu meiner Person: Ich bin im ersten Leben Biologin, habe in Bochum studiert und promoviert und dann noch Anglistik mit Abschluß Lehramt studiert. Auf der Suche nach einem Beruf bin ich in der Bibliothek gelandet und bin heute sehr glücklich über diese eigentlich einmal eher zufällige Entscheidung, weil ich mich hier sehr wohl fühle. In Düsseldorf bin ich schon länger und habe mich, als Prof. Gattermann im letzten Jahr in den Ruhestand ging, als Direktorin beworben und habe diesen Posten seit dem 1.6.94 inne. Zu meinen Vorstellungen: Ich möchte eigentlich gar nicht schrecklich viel verändern, da ich denke, daß wir ein sehr schönes Bibliotheks system haben, das so organisiert ist, daß man nicht die Ärmel aufkrempeln und alles völlig anders machen muß. Dennoch ist klar, daß nicht alles optimal läuft: Ein Problem ist, daß die Gelder immer weniger werden. Außerdem sind wir angesichts der technologischen Entwicklung gefordert, unsere eigene EDV zu modernisieren und zu öffnen, unsere Zugänge über die Bibliothek hinaus allgemein zugänglich zu machen - bis zur Wohnung der Studierenden hin. Daneben ist unsere historische Dimension zu sehen, die umfangreichen Altbestände, die wir als zweites Standbein neben dem betrachten, was unter das Schlagwort "elektronic library" gefaßt werden kann.


BiOkular: Zum Stichwort Geldstreichung: Bleibt die Bibliothek hier nun ein wenig verschont, nachdem bereits viele Zeitschriften eingestellt wurden? Bücher werden ja auch immer teurer.
Dr. Niggemann: Das ist es, denn von Streichung kann man eigentlich nicht sprechen. Die Gelder sind stabil, doch die Preise steigen. Da wir an den Hochschulen in NRW seit Anfang des Jahres den sogenannten Globalhaushalt haben, weist das Ministerium darauf hin, daß wir durch die Flexibilisierung der Mittel etwas bewirken können. Diese Entwicklung ist relativ neu und zur Zeit schwer abzusehen. Dennoch bemühen wir uns weiterhin, sowohl vom Ministerium als auch von der Hochschule zusätzliche Gelder zu bekommen, da wir unsere Bücher ja nicht zum Selbstzweck, sondern im Sinne aller anschaffen.


BiOkular: In den Fachschaften kommen wir beispielsweise bei den Erstsemestereinführungen (ESAG) mit der Bibliothek in Kontakt, wobei in letzter Zeit aufgefallen ist, daß Sie auf diesem Gebiet offenbar bewußt Serviceleistungen anbieten möchten. Welche Überlegung steht dahinter?
Dr. Niggemann: Wir suchen noch nach der optimalen Art, unser Wissen weiterzugeben und herauszubekommen, wo wir helfen können und was wir dafür lernen müssen. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, daß Hilfstexte im "OPAC" oder Aushänge nicht allzu großen Erfolg bringen. Deshalb versuchen wir jetzt, über die Fachschaften und die Dekanate eine Art Schneeballeffekt zu erzielen. Wir wollen Ihnen natürlich nicht die Initiative nehmen, sondern den Dialog mit den Fachschaften suchen, da auch gerade Kritik uns hilft, etwas besser zu machen. Auf keinen Fall wollen wir, daß man sich umdreht und sagt: "Scheiß Bibliothek!"


BiOkular: Wie kommen die Benutzer denn mit "BABSY" zurecht, nachdem doch vieles gegenüber dem alten "OPAC" verändert und teilweise etwas komplizierter geworden ist?
Dr. Niggemann: Unter den Benutzern gibt es im Hinblick auf die EDV eine Riesenspannweite vom Laien bis zum Freak. Man kann beispielsweise sagen, daß die Anzahl der Vormerkungen seit Einführung der Benutzerarbeitsplätze um das Dreifache gestiegen ist. Man kann also damit umgehen. Dennoch gibt es Benutzer, die eher die konventionellen Kataloge benutzen. Für diese bieten wir auch noch die Microfiches an.


BiOkular: Ist es geplant, die Microfiches abzuschaffen, da sie ja prinzipiell überflüssig sind?
Dr. Niggemann: Die Microfiches sind in der Herstellung billig, also kein großer Kostenfaktor. Solange wir Probleme mit der Aktualisierung des "OPAC" haben, werden wir die aktuelleren Microfiches anbieten. Außerdem sollten wir an den Fall denken, daß der Server ausfällt oder es eine Störung gibt, abgesehen von Benutzern, die nicht mit dem Online-System umgehen wollen oder können.


BiOkular: Wie steht es derzeit mit der Vernetzung, mit "BABSY" für zu Hause? Man hört seit einiger Zeit, es sei geplant, es gebe aber Probleme mit der Software.
Dr. Niggemann: Wir propagieren es bisher noch nicht, da es wirklich noch problematisch ist. Mittlerweile kann man wohl den Standort eines Buches recherchieren und es ist uns zugesagt, daß bald ein Zugriff auf die Ausleihdaten möglich sein wird. Sobald das realisiert ist, werden wir es überall bekanntgeben und auch darum bitten, daß es benutzt wird.


BiOkular: Doch dann hat man von zu Hause den gleichen Service wie hier von den Terminals aus?
Dr. Niggemann: Ja, allerdings hat man vom Campus aus leichter Zugang, da man von zu Hause aus erst einmal auf das Campusnetz zugreifen muß.


BiOkular: Von großem Interesse sind auch die Öffnungszeiten. Was ist hier geplant?
Dr. Niggemann: Wir machen gerade einen Versuch in der medizinischen Abteilung mit verlängerten Öffnungszeiten, der nur möglich ist, weil uns die Fakultät Mittel zur Verfügung gestellt hat. Aus der Resonanz, die wir dort haben oder nicht haben, möchten wir dann rückfolgern. Da diese Möglichkeiten zur Zeit noch nicht stark in Anspruch genommen werden, müssen wir abwarten, bis sich das herumgesprochen hat. Grundsätzlich sollten solche Dinge zusammen mit den Dekanaten und Fachschaften überlegt werden. Wir versuchen, auf Wünsche einzugehen, sofern die Fakultäten bereit sind, uns auch ein wenig zu helfen.


BiOkular: Wie stehen Sie zum System der Fachbibliotheken?
Dr. Niggemann: Wir haben hier im Gegensatz zu manchen anderen Universitäten ein Mischsystem, also überall dort, wo Institute sind und Lehrveranstaltungen stattfinden, Fachbibliotheken mit Präsenzbestand, daneben eine Zentralbibliothek mit Ausleihbestand und dem historischem Schwerpunkt, die gleichzeitig Verwaltungszentrale ist. Wenn man den großen Campus hier ansieht, denke ich, ist dies eine angemessene Lösung.


BiOkular: Eine Rolle spielt sicher auch der Aspekt der Sicherheit?
Dr. Niggemann: Man kann die Augen nicht verschließen vor den Gewaltakten, die immer wieder vorfallen. Gerade bei verlängerten Öffnungszeiten ist uns die Sicherheit für unsere Benutzer und Mitarbeiter wichtig. Hier muß auch zwischen Sicherheit und Service abgewogen werden.


BiOkular: "JASON" ging groß durch die Presse. Ein Wort dazu?
Dr. Niggemann: Es war reiner Zufall daß"JASON" gerade in Düsseldorf eröffnet worden ist. Ziel von "JASON" ist es, den Leihverkehr zu beschleunigen. Im ersten Schritt bieten wir Zeitschriften an, die im Rahmen eines Zeitschriften-Sammelschwerpunkt- Programms vom Land subventioniert werden. Wir bemühen uns, Kopien innerhalb von 48 Stunden zu liefern. Wir hoffen, daß bald der gesamte Zeitschriftenbestand in NRW so angeboten werden kann. Außerdem gibt es ein bundesweites Projekt des Zukunftsministeriums mit dem Namen "SUBITO", quasi ein "JASON" für Deutschland mit einer Komponente Bücherausleihe. Da es mit "JASON" noch Probleme gibt, haben wir eine Einführungsphase geplant, in der jeder das System kostenlos ausprobieren kann, womit wir die einzige Bibliothek in NRW sind. Doch wir wollten, daß möglichst viele Leute das System ausprobieren und nicht darüber toben, sondern uns sagen, wo die Probleme liegen.


BiOkular: Wie steht es angesichts steigender Kosten für elektronische Dienstleistungen in Verbindung mit dem Ziel, daß solche Einrichtungen doch irgendwann annähernd kostendeckend arbeiten sollen, mit der Sozialverträglichkeit? Können sich doch bald nur noch bestimmte Gruppen derartigen Service leisten?
Dr. Niggemann: Dies wird zur Zeit auch ganz erregt diskutiert in den betreffenden Arbeitsgruppen. Es besteht noch kein Konsens, doch es ist klar, daß es für bestimmte Benutzergruppen Subventionen geben muß. So wie wir jetzt schon gestaffelte Preise bei "JASON" haben, wird das vermutlich auch bei allen Liefersystemen der Fall sein. Ich denke, daß man auf Landes- oder Hochschulebene überlegen muß, wie man das realisiert. Eines ist klar: Wir haben zur Zeit einen sehr teuren Leihverkehr, der trotzdem langsam ist. Schafft man jetzt einen schnelleren Leihverkehr, der zudem billiger ist, weil gewisse Arbeitsschritte wegfallen, so ist wenig einsehbar, warum der langsame, teure Leihverkehr nichts kosten soll, der schnelle, billigere aber kostet. So denke ich, daß es insgesamt wohl zu einer Verteuerung des Leihverkehrs kommen wird, aber auch zu einer Verbesserung. Und dabei muß darauf geachtet werden, daß bestimmte Benutzergruppen nicht herausfallen.

BiOkular: Frau Dr. Niggemann, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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