Titel

Wolfgang Petersens Film "Outbreak"
mit Dustin Hoffmann

Von Hans-Jörg Willuda

Das menschliche Leben steht wieder einmal kurz vor dem Abgrund. Diesmal gefährdet ein absolut tödliches Urwaldvirus die Existenz der Menschheit. Das einst in Afrika entdeckte Virus - von uniformierten Biomedizinern als perfekte biologische Waffe identifiziert - holt schnell die ein, die glauben die Natur kontrollieren zu können.

Bei einer Inkubationsdauer von nur 24h rafft das Monster alles dahin, was seinen Weg kreuzt. Schließlich ist eine ganze Kleinstadt infiziert. Die Lage scheint hoffnungslos. Angesichts der Gefahr einer grassierenden Epidemie riegeln Militärs und Seuchenexperten die Stadt ab. In Erwägung einer grausamen, unmenschlichen Logik beschließen Automatenköpfe die Kleinstadt, samt ihrer Einwohner, mittels Aerosolbombe von der Landkarte zu radieren: Das Gemeinwohl sei höher einzu schätzen, als das des Einzelnen. (Insbesondere, wenn der Präsident bei ungehinderter Ausbreitung der Epidemie, binnen 48 h selber Pickel im Gesicht zu bekommen droht.)

Der Film von Wolfgang Petersen ("Das Boot") ist mit Sicherheit allen zu empfehlen, die gute trickreiche "Action" mit futuristisch anmutender "Techno-Science" und ein wenig Detektiv-Spielerei mögen. "Outbreak" ist spannend, steigert sich beständig und mündet im packenden Endszenario mit großen Knall. Dustin Hoffmann spielt einen couragiert auftretenden Forscher-Sherlock Holmes, der privat natürlich gar nicht klar kommt - sonst aber alles im Griff hat. Seinen eklig bösen Widerpart, den Mann für die konsequenten Lösungen, spielt Donald Sutherland ("Die Nadel").

Die Botschaft des Films ist klar: Die Biologie/Medizin soll entlarvt werden als der armselige Versuch einiger Menschen die Natur zu beherrschen. Es regiert Murphy's Law. Der Sicherheitsanzug weist kleine unsichtbare Risse auf. Fehlerquellen sind unvermeidbar. Hinzu kommt die Darstellung der Forschenden: Sie stecken verschnürt in Anzügen, sind gesichtslos, bar jeglicher Identität. Nicht einmal der Austausch menschlicher Gesten ist möglich. Der Mensch verliert inmitten der sterilen Wissenschaft seine Menschlichkeit. Wird nun das unbeherrschbare Gefahrenpotential biologischer Wissenschaft zum Komplizen des blinden Automatismus des Militarismus, entsteht eine explosive Paarung, die zu einer gesunden Katastrophe führen muß.

So spannend wie der Film auch ist, für die tatsächlich Forschenden stellt er wieder einmal ein Drama dar. Sie, deren Wissenschaft hoch kompliziert ist und nicht mal eben in fünf Minuten mediengerecht dargestellt werden kann, müssen mitanschauen wie der Film Kapital aus den Ängsten und Ressentiments einer sowieso schon verun sicherten Gesellschaft schlägt . Natürlich ist die Kombination aus Wissenschaft und Militarismus gefährlich, doch wird hier eine assoziative Fallgrube gebastelt, in der die Wissenschaft als ewiger Helfershelfer der Miltärs gefangen ist und schließlich nur Negativkräfte entfachen kann. Petersen vergißt offensichtlich, daßgerade die Wissenschaft den Todeszug solcher Seuchen, wie sie hier beschrieben werden, gebremst hat. Warten nicht gerade die letzten Pockenviren auf ihre Vernichtung?
Vielleicht fällt es Wolfgang Petersen wieder ein, wenn die Menschheit den Wettlauf mit den Bakterien um die Antibiotika-Resistenzen verloren hat.


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