Zum Schutz vor feindlichen Angriffen entwickeln scheinbar wehrlose Lebewesen oft ausgeklügelte Strategien. Wie der Ulmer Zoologe Karl-Heinz Tomaschko bei Untersuchungen im Helgoländer Felswatt feststellte, haben die dort vorkommenden Asselspinnen der Art Pycnogonum littorale eine besonders raffinierte Verteidigungsstrategie entwickelt.
Für die ebenfalls dort vorkommenden räuberischen Strandkrabben wären die winzigen Gliederfüßler eigentlich eine leichte Beute, wenn sie bei ihrer eigenen Nahrungssuche unbeholfen über den Meeresboden staksen. Bei Beobachtungen zeigte sich jedoch, daßselbst ausgehungerte Krabben blitzschnell von den winzigen Asselspinnen ablassen, sobald sie sie in den Mund nehmen wollen.
Durch genauere Untersuchungen stellte sich schließlich heraus, daß die kleinen Spinnentiere bei Bedrohung einen Stoff ausscheiden, der dem Häutungshormon Ecdyson ähnelt. Von diesem Hormon ist bekannt, daßes eine lebenswichtige Funktion bei der Steuerung von Häutungs- und Wachstumsvorgängen bei Spinnen, Krebsen und Insekten spielt. Eine Überdosierung hat jedoch schwerwiegende Folgen, da sie die Gliederfüßler zu fortdauernden Häutungen zwingt.Diese Gefahr ist für die Strandkrabben offensichtlich so gravierend, daß sie in der Mundregion spezielle Sinnesorgane entwickelt haben, die sie vor der Gefährlichkeit der winzigen Beutetiere warnt. Die Asselspinnen sind auf diese Art vor ihrem größten Freßfeind hervorragend geschützt.
Antike Enzyme
Ägyptische Mumien bergen nicht nur für Archäologen so manches Geheimnis - auch für Biologen können sie ein spannendes Untersuchungsobjekt sein.
So fand ein achtköpfiges Forschungsteam an der Uni Tübingen in zwei rund 2400 Jahre alten Knochen ägyptischer Mumien überraschend funktionsfähige Enzyme. Die Wissenschaftler aus Tübingen, München und Oxford wiesen im Test eine alkalische Phosphatase in den antiken Funden nach, ein Enzym, das eine wichtige Rolle im Stoffwechsel der Knochen hat. Die empfindlichen Moleküle, die im Labor gekühlt bereits nach wenigen Stunden ihre Funktionsfähigkeit verlieren, hatten über 2000 Jahre fast unverändert überstanden. Verglichen mit Phosphatasen von gerade Verstorbenen wiesen sie eine nur um 35% verminderte Aktivität auf.
Was die Biomoleküle vor dem Zerfall schützte, ist noch nicht klar. Die Wissenschaftler erhoffen sich nun dank der spektakulären Entdeckung neue Einblicke in die Ernährungs- und Gesundheitsverhältnisse der ptolemäischen Epoche, aus der die Funde stammen.