Titel

1 Jahr Life Light in California

Von Thorsten Buch

University of California, Davis! Wem sagt das schon was? Muß dem Namen nach wohl in Kalifornien liegen, aber es ist weder Berkeley noch Stanford. Kann das überhaupt irgendwas sein? Wer hat nur dieses Austauschprogramm mit so einer kleinen Uni ausgeheckt?

Nach nerviger aber lohnender Vorbereitung ging es im September 94 auf die Erkundungsreise. Das erste Mal Vereinigte Staaten. Was stellt man sich da nicht alles vor. Colt Seavers und andere Fernsehgenüsse lassen grüßen. Die trafen jedenfalls auf Davis, diese 50000 Einwohner-/23 000 Studenten-Stadt 20 min von Sacramento im Central Valley in Nordkalifornien, nicht zu. Dort befindet sich diese Partner-Uni von Düsseldorf, die University of California, Davis.

UC Davis oder UCD, wie sie meistens genannt wird, ist einer von 9 Campi im University of California (UC) System. Auch Berkeley und UCLA gehören hierzu. UC Davis kann sich im Vergleich mit Berkeley immerhin rühmen, den größten aller UC Campi zu besitzen (eine Superlative muß schon sein). Das liegt aber weniger an der Zahl großer Gebäude, als vielmehr an der Tatsache, daß Davis ursprünglich das Agrikultur-College von Berkeley war. Und so gehören nun zum Gelände große Felder, Kuhställe, sowie der uni-eigene Flughafen. Sogar Uni-Weingärten im Napa Valley, dem kalifornischen Weintal, gibt es. Das MedCenter, die Uniklinik, befindet sich in Sacramento und ist stündlich über einen kostenlosen Pendelbus zu erreichen. Der Zentralcampus, auf dem sich das eigentliche Unileben abspielt, ist nur wenig größer als der Düssedorfer Campus und unterscheidet sich u.a. dadurch, daß er mehr Palmen und andere exotische Gewächse besitzt, in denen manchmal sogar Kolobris herumfliegen.


Abb. 1Die Gebäude wurden über ein Jahrhundert hinweg erbaut. Man kann also alten Farmhäusern genauso über den Weg laufen, wie auch brutalen Betonklötzen aus den Sechzigern, aber auch postmodernen Gebäuden, wie das neue und umstrittene Social Science Building oder die nach Vorlage der alten Enterprise erbaute Bainer Hall sind zu finden. Das Hauptfortbewegungsmittel sowohl auf dem Campus als auch in Davis an sich, ist das Fahrrad. Davis gilt als das Münster Amerikas und ist damit schon nicht so ganz amerikanisch. Das Radwegenetz überbietet locker das der Großstadt Düsseldorf, und auf dem Campus sind sogar Rad-Kreisverkehre eingerichtet. Durch diese Kreisverkehre müssen sich auch die von Studenten und Studentinnen gelenkten Uni-Busse, u.a. alte Londoner Doppeldeckerbusse, quälen. Wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte man auch tunlichst an jedem Stopschild, selbst auf dem Campus, anhalten. Die Fahrradpolizisten sind immer schneller als Du!

Das Studium dort war dem eines dortigen Graduate Students, d.h. eines Studenten, der seinen Bachelor (Abschlußdes Colleges, ~Vordiplom) schon hat und nun auf den Master (~ Diplom) oder den Ph.D. (~Dr.) zugeht, sehr ähnlich. Die meiste Zeit verbringt man in seiner Arbeitsgruppe im Labor. Die Kurse und Vorlesungen schiebt man halt so in die Arbeit ein. Die Graduate Kurse dort können sich durchaus mit dem, was wir hier so machen müssen, messen, auch im Einlegen von "allnightern", um mal wieder das Abgabedatum einzuhalten. Eine sehr angenehme Gewohnheit der dortigen Studenten ist es, sich zum Lernen in ein Café zu setzen und eine heiße Schokolade zu schlürfen. Eben nicht allein im stillen Kämmerlein! Es soll sogar (manchmal) was dabei rumkommen.


Abb. 2Ausgehen in der Nacht ist hingegen so eine Sache. Hier erst mal ein paar Fakten: Trinken erst ab 21, Trinken nur bis 2 Uhr und das auch niemals auf der Straße. Vor allem aber diese Türsteher mit ihrem ewigen Gefrage nach Ausweis oder gar Reisepaß beim Betreten gehen ziemlich auf den Senkel. Da werden schonmal Geburtsurkunden geklaut und neue Existenzen erfunden, nur um den begehrten Ausweis mit einem Alter von über 21 Jahren zu erhalten. Wer weiß, vielleicht gibt es die Hälfte der Amerikaner gar nicht, weil sie von der anderen Hälfte erfunden worden ist. Würde zumindest das Haushaltsdefizit erklären... Wer nicht immer den Reisepaß mitschleppen will, der kann ganz legal den scheckkartengroßen kalifornischen Führerschein machen...für ganze 12 Dollar und 10 Minuten Fahrprüfung. Zum Ausgehen auf ein Bierchen gibt es in Davis eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Zyniker meinen ja, man könne in Davis sich entweder betrinken, oder aber lernen.

Auf Dauer führt es einen daher unweigerlich bis nach Sacramento, San Francisco oder gar Palo Alto (Stanford University). Dort gibt es dann auch schonmal Orte, die nicht um 2 dicht gemacht werden. Ausflüge haben sowieso das Leben dort ziemlich versüßt. Davis liegt wirklich günstig: Es sind nur eine Stunde 10 Minuten nach San Francisco (bei Nichtbeachtung des Speed Limits) oder, in die andere Richtung, 2 Stunden ins nächste Skigebiet (von Oktober bis Juli). Wer einmal in San Francisco war, kann verstehen, warum die Menschen dort trotz Erdbebengefahr weiterleben. Absolut empfehlenswert ist ein Ausflug auf die Hügel Twin Peaks bei Sonnenuntergang. Der Anblick der City, wie sie normalerweise genannt wird, ist von dort oben grandios. Und die Sonne verschwindet im Pazifik. Golden Gate Bridge nicht zu vergessen! Weiterhin sind da natürlich auch noch Sacramento, Yosemite National Park, Highway 1 und für die ganz aufs Autofahren Versessenen der Grand Canyon (anstrengend), LA (die Fahrt nicht wert), Seattle (super, Stadt der Cafés) oder Mexiko. Aber schon in Davis erreichten die Temperaturen oft genug fast 40 Grad. Wen zieht es da schon in den Süden?

Überhaupt war das Leben in Davis an sich schon ziemlich leicht. Anders läßt es sich wirklich nicht beschreiben: Life Light. Während der warmen Monate kann man nunmal täglich im Pool der Uni schwimmen gehen (3 min vom Labor) und um Ladenschlußzeiten braucht man sich auch nicht zu kümmern. Kommt man etwas später nach Hause, so hat man immer noch die Möglichkeit spontan alles Nötige für ein schönes Dinner einzukaufen. Oder der Whopper vom Burger King für $ 0.99 landet mal wieder im Magen. Wenn man bei der Hitze dort im Sommer überhaupt viel essen will. Da wird doch oft genug ´ne eisgekühlte Cola vorgezogen. Der nordkalifornische Winter kann sich an Widerlichkeit aber locker mit dem rheinischen messen! Überschwemmungen bei monsunartigen Regenfällen waren schon fast die Regel. Wer nochmal sagt: The sun always shines in California...
Das Dach über dem Kopf besorgt man sich am Besten über das Einziehen in eine WG. Amerikanische Roommates vergrößern das Vokabular rapide, aber nicht immer nur zum Besten! Natürlich werden dann auch einige neue Gewohnheiten angenommen: Abends um 11:30 ist StarTrek Time! Die Häuser und Apartmentkomplexe sind aus Holz gebaut und erinnern bei rosa-blauem (o.ä.) Anstrich manchmal doch eher an eine Feriensiedlungen, sind aber zum Teil mit PC Räumen, Whirlpool und Kraftraum ausgestattet.
Wer übrigens Angst vor der anderen Sprache hat, die ist vollkommen unbegründet. Ein nicht unerheblicher Teil der Studenten kommt aus dem Ausland, zumeist dem Fernen Osten. Schwierig wird es nur manchmal, wenn verschiedene Akzente aufeinandertreffen. Aber auch das lernt man zu meistern.


Abb. 3Nach einem Jahr fällt es dann schon ganz schön schwer, die neuen Freunde zurücklassen zu müssen, es überwiegt dann aber doch die Freude, all die alten Freunde schon am Flughafen wiederzutreffen. Und Düsseldorf macht manchmal dann auch das Eingewöhnen leicht: Wenn noch für Wochen strahlend blauer Himmel und hochsommerliche Temperaturen geboten werden. Eben doch nicht nur in California! Bleibt abschließend eigentlich nur noch zu sagen: UCD? Absolut empfehlenswert!

Wer Interesse hat, kann Informationen zum Austauschprogramm bei Herrn Prof. Kowallik in der Botanik erhalten. Er ist der Beauftragte für die Austauschprogramme der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in der Biologie.


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