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Studieren in Frankreich

Von Katja Roden

Endlich ist es soweit! Seit diesem Wintersemester gibt es auch für Biologen einen offiziellen Studenten-austausch mit unser französischen Partneruni in Nantes. Doch das französische Unisystem unterscheidet sich stark vom deutschen.


"Parlez-vous francais?"

Tatsächlich, seit einiger Zeit spricht man auch im Düsseldorfer Biogebäude hier und da französisch. Zwei Jahre ist es her, daßsich zwei Biologinnen aus Nantes ins Abenteuer Uni Düsseldorf stürzten und damit als erste ihres Faches an Austausch zwischen den beiden Universitäten teilnahmen.

Inzwischen steht nun auch Düsseldorfer Biologen der Weg offen Richtung Atlantikküste - und zwar im offiziellen Rahmen des europäischen Programms Sokrates, dem Nachfolger des besser bekannten Erasmusprogramms. Eine tolle Gelegenheit für alle, die im Studium auch mal über den Tellerrand der Heimatuni schauen möchten und neben Englisch eine zweite Fremdsprache fließend sprechen wollen.

Doch so ein Auslandsaufenthalt will gut geplant sein. Nicht nur die Fremdsprache sollte eine Rolle spielen bei der Wahl des Gastlandes, wichtig ist auch, sich rechtzeitig über die Studienbedingungen vor Ort zu informieren. Denn trotz Zusammenwachsen von Europa sind die Studienkonzepte der einzelnen europäischen Länder in vielen Punkten noch grundsätzlich verschieden.

Auch das französische Hochschulsystem unterscheidet sich wesentlich vom deutschen. Freie Wahlen in der Fächerkombination sind hier sehr beschränkt, typisch für das französische Studium ist vielmehr ein mehr oder weniger fest vorgeschriebenes Jahresprogramm mit strengen Abschlußprüfungen - ein Drittel Durchfallquote ist da keine Seltenheit. Schwierig ist vor allem, daßman den Stoff eines Jahres als Einheit absolvieren muß. Wenn man einzelne Abschlußprüfungen verpatzt, mußman das Jahr wiederholen, häufig sogar die Prüfungen, die man bereits bestanden hatte.

Auf diese Art und Weise wird natürlich kräftig gesiebt, besonders in den ersten beiden Jahren. Der Grund: der Zustrom an die öffentlichen Universitäten ist zunächst sehr groß. Fünfzig Prozent der französischen Jugendlichen verlassen inzwischen die Schule mit dem Baccalaureat, und wie bei uns wollen die meisten erst einmal studieren.
An der Uni erwartet sie zunächst ein sehr breit gefächertes Programm in den einzelnen Studienbereichen, das etwa für Biologen neben einem naturwissenschaftlichen Pflichtprogramm auch Fächer wie Sport und Fremdsprachen umfaßt. Erst im dritten Jahr splittet sich die große Gruppe der Naturwissenschaftler dann in die einzelnen Fachgebiete auf.

Bisher war es nun so, daßnach dieser Entscheidung der Jahresstoff wieder genau vorgeschrieben war. Nach einer der vielen kleinen Unireformen in Frankreich ist dieses völlig verschulte System jedoch in diesem Jahr erstmals aufgebrochen worden, und die Studenten können jetzt zwischen verschiedenen Optionen eines Jahresprogramms wählen.
Eine tolle Sache, denn anders als in Deutschland sind Praktikumsplätze garantiert. Statt sich mit lästigen Eingangsklausuren herumzuschlagen, stellt man sich einfach einen Stundenplan nach Wunsch zusammen, und der paßt sogar zeitlich zusammen. Auf den ersten Blick also paradiesische Zustände.


Wie aber sieht die Situation für deutsche Austauschstudenten aus?

Zunächst einmal darf man sich Frankreich nicht als das Land der unbeschränkten Praktikumsplätze vorstellen. Tatsächlich machen die Praktika einen recht geringeren Anteil am Studium aus, und anders als in Deutschland wird viel Stoff eines offiziellen Jahres nur durch Vorlesungen abgedeckt.

Aber immerhin gibt es dank Studienreform inzwischen zu allen Optionen kleine begleitende Praktika. Die werden von der jeweiligen deutschen Partneruni in der Regel ohne Probleme als kleine Praktika für das Hauptstudium angerechnet, so zum Beispiel auch im Fall der Universitäten Nantes und Düsseldorf. Und dank besonderer Regelungen für ausländische Studenten sollen in Nantes demnächst auch Großpraktika kein Stolperstein im Auslandsjahr mehr sein. Studieren in Frankreich wird damit für deutsche Studenten um einiges attraktiver als bisher. Auch die Wahl der einzelnen Studienfächer ist auf Wunsch größer als für die Franzosen: deutsche Studenten können ihren Stundenplan aus dem Angebot verschiedener Jahresprogramme frei zusammenstellen. Aber es ist durchaus eine Erfahrung wert, an einem gesamten offiziellen Studienjahr teilzunehmen. Da die einzelnen Veranstaltungen in der Regel inhaltlich aufeinander abgestimmt sind, kann man sehr effektiv in einem großen zusammenhängenden Rahmen studieren.

Außerdem bietet sich in diesem Fall der besondere Anreiz, gemeinsam mit den Franzosen den Abschlußeines Studienjahres zu machen. Wenn man sich ordnungsgemäßan der Uni eingeschrieben hat, bekommt man nach bestandenen Prüfungen sogar das offizielle französische Jahresdiplom. Das sieht in einer Bewerbungsmappe natürlich immer super aus. Allerdings ist das kein leichtes Unterfangen, schließlich haben selbst die Franzosen ganz schön zu knabbern an der Fülle von neuem Stoff.

Apropos, ein Jahr im Ausland beinhaltet natürlich mehr, als nur eine etwas andere Form des Studiums. Neben dem unmittelbaren Erleben der Sprache hat man eine einmalige Gelegenheit, das Land und seine Leute hautnah kennenzulernen. Nantes besticht in dieser Hinsicht besonders durch seine Nähe zur wilden Atlantikküste und durch das sagenumwobene bretonische Hinterland. Für Biologen hat die Tier- und Planzenwelt der Bretagne so manche Kuriosität zu bieten, aber auch Sportfreaks und Liebhaber der französischen Küche kommen voll auf ihre Kosten.


Neugierig geworden?

Wer sich für einen Austausch mit der Uni Nantes interessiert und sich für ein Stipendium bewerben will, sollte sich mit Herrn Kowallik in Verbindung setzen:
Genauere Informationen liegen außerdem in der Fachschaft Bio aus. Neben den offiziellen französischen Studienprogrammen findet ihr dort einen allgemeinen Führer mit Tips und Tricks für das Studentenleben in Nantes. Internetfreaks können die Infos auch unter http://www.cs.uni-duesseldorf. de/~lemburg anfordern.


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