Leserbriefe


BiOkular zu wissenschaftlich?

Liebe Biokular-Redaktion!

Ich möchte ersteinmal vorausschicken, daß, obwohl ich Mitglied des Fachschaftrates bin, nicht im Namen dessen schreibe.

Vor einiger Zeit ging ich in die Fachschaft und sah dort einen großen Karton mit der neuesten Biokular-Ausgabe stehen. Es war Nr. 15, und ich habe mich darüber gefreut, daß diese Zeitschrift sich so lange gehalten hat. Diese Freude verschwand aber leider furchtbar schnell. Exakt nämlich in dem Moment, in dem ich mir ersteinmal einen groben Überblick verschaffen wollte und einfach durchblätterte. Da fand ich dann wissenschaftliche Artikel, die sich über 7 Seiten zogen, und nach langem Suchen fand ich dann doch tatsächlich eine einzige Seite, die sich mit dem Thema Studium beschäftigte. Auf meinem Gesicht machte sich ein zweifelnder und mißmutiger Ausdruck breit, denn plötzlich war Biokular nicht mehr das, was sie mal gewesen war.

Ich will Euch nicht absprechen, wissenschaftliche Artikel zu schreiben oder zusammenzustellen, nur frage ich mich, ob diese tatsächlich eine derartige epische Breite aufweisen müssen. Meint Ihr tatsächlich, daßder durchschnittliche Biologie-Studierende und Biokular-Leser das lesen möchte? Wäre es da nicht sinnvoller und angebrachter, derartige Artikel zu kürzen und am Ende dieser auf die biologischen Fachzeitschriften zu verweisen, die Ihr als Literatur benutzt habt, damit sich der, der sich wirklich für eine bestimmte Thematik interessiert, dort weiter informieren kann?!

Nun zu einer weiteren Sache, die mir arg aufgestoßen ist: eine spärliche Seite "Studium". Dies läßt sich in keinster Weise damit rechtfertigen, daßin der letzten Zeit nichts passiert

sei. Aber wie solltet Ihr auch davon erfahren, wenn Ihr Euch gar nicht mehr auf Fachschaftsratsitzungen blicken laßt? Ich meine damit nicht, daßIhr Protokolle der Sitzungen drucken sollt, aber ich bin der Meinung und Überzeugung, daßeinige Themen Eure Leserschaft wesentlich mehr interessieren als diverse meterlange wissenschaftliche Artikel. Es sind mit Sicherheit auch einige aus dem Fachschaftsrat und seinem Dunstkreis bereit, Artikel zu schreiben; fragt doch einfach mal nach.

Wenn Ihr Euch "Zeitschrift der Fachschaft Biologie" auf Euer Logo schreibt, dann sollte man doch meinen, daßIhr nicht nur Mitglieder dieser seid, Euch mit ihr und nicht nur mit der Wissenschaft Biologie beschäftigt. Der wissenschaftliche Anstrich, den Ihr Euch versucht zu geben, steht Euch bzw. Biokular nicht. Ich bin leider nicht die Einzige, die dieser Meinung ist. Kommentare wie z.B. "Was soll das denn?", "Was ist denn nun passiert?", "Warum kopieren die nicht gleich die Nature?" und "Das ist traurig" kamen mir mehrmals zu Ohren, und diese Kommentare haben mich auch dazu veranlaßt, Euch diesen Leserbrief zu schreiben.

Mir ist bewußt, daßIhr arge Probleme habt, neue Redaktionsmitglieder zu finden, und ich finde es auch wirklich bedauerlich, daß scheinbar kaum noch jemand bereit ist, etwas Zeit zu opfern und sich einzusetzen, aber mit derartigen Ausgaben schreckt Ihr tatsächlich jeden Neuling, der interessiert wäre, in der Biokular-Redaktion mitzuarbeiten, ab.

Ich hoffe, ich konnte Euch hiermit ein paar nützliche Denkanstöße geben.

Eva-M. Linnartz, Düsseldorf


Stellungnahme der Redaktion

Wir freuen uns über jede konstruktive Kritik, denn nur so können wir erfahren, was gefällt und was nicht. Die im Leserbrief angesprochenen Probleme sind auch uns schon aufgefallen. Doch zunächst Folgendes: Wir machen BiOkular gerne, freiwillig und unentgeltlich. Mit anderen Worten: Auch wir sind kein Dienstleistungsunternehmen; jeder schreibt, was, wieviel und wie er mag.

Nichtsdestotrotz hat die Redaktion es sich zur Aufgabe gemacht, mit BiOkular ein Informationsblatt für den Fachbereich Biologie herauszugeben, um so zu einem besseren Miteinander von Lernenden und Lehrenden beizutragen. Das funktioniert natürlich nur, wenn auch Informationen und Probleme an uns herangetragen werden, was leider nur sehr selten der Fall ist. Wir sind nämlich aus zeitlichen Gründen weder in der Lage, in jedem Institut Neuigkeiten zu recherchieren, noch können wir regelmäßig an Fachschaftsratsitzungen teilnehmen. Unser dreiköpfiges Redaktionsteam besteht ausschließlich aus Zehntsemestern, das sich, außer mit BiOkular, mit den letzten Vorbereitungen fürs Diplom befaßt.

Also liebe Leute aus dem Dunstkreis des Fachschaftsrates und natürlich auch aus den Instituten, schreibt, was es Neues gibt oder sagt es uns wenigstens. Je mehr wir von Euch hören, um so mehr ist BiOkular auch Eure Zeitschrift! Wir freuen uns auf jede Reaktion, auf jeden Brief, Anruf, jedes E-mail und jeden Besuch: Wir beißen nicht, wirklich! Dieser Leserbrief ist doch sicher schon mal ein guter Anfang, mehr davon!

Eure BiOkular-Redaktion

P. S.: Nature ist doch im Gegensatz zu BiOkular nur langweilig!

 

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