Mein erster Tag an der Uni

Oder: Ein sentimentaler Rückblick nach acht Semestern

Von Christian Dumpitak

Es war eigentlich ein relativ spontaner Entschluß, der mich während der Mittagspause in der gerontopsychatrischen Wohngruppe, in der ich meinen Zivildienst ableistete, überkam: Ich werde Biologie studieren.
So blödsinnig es sich auch anhören mag, indem ich gedankenverloren die Pausenzigarette über meiner Kaffeetasse abaschte, überkam mich plötzlich der Gedanke, daß ein Biologiestudium die potentielle Chance in sich trüge, jahrelang im Labor zu stehen und zu forschen, vielleicht sogar etwas Wichtiges zu entdecken, aber jederzeit von seinem Tun aufzublicken zu können und zu verkünden: "Wißt ihr was Leute, ich werde morgen zum Amazonas reisen und im Regenwald nach bisher noch nicht entdeckten Tieren oder Pflanzen suchen."
Mit diesem Szenario vor Augen, füllte ich dann abends die ZVS-Unterlagen aus.

Als der ZVS-Bescheid kam, ging der Zivildienst zu Ende und schließlich kam auch der Tag der Erstsemerstereinführung (ESAG) und ich fuhr zur Uni.
Dort fand ich mich zwischen fast 200 Leuten wieder, die recht nervös, schüchtern, angespannt erwartungsvoll, ängstlich, gestreßt oder aber supercool dreinblickten. Da ich mich im Vorfeld schon ein wenig über das Studium informiert hatte, entschied ich mich schließlich für eine Mischung aus erwartungsvoll und cool. Es gelang mir sogar einem nervös-schüchternen Gesicht die Praktika und Vorlesungen des ersten Semesters aufzuzählen. Als ich daraufhin mehr in Richtung supercool tendieren wollte, legte sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter und eine freundliche, dermaßen gelassene Stimme sabotierte all meine Anstrengungen, indem sie mich fragte, ob ich denn schon zu einer Tutorengruppe gehöre. Mit einem nervös-angespannten Gefühl entschied ich mich der Gruppe anzuschließen.
Darüber was wir dort erlebten werde ich hier nichts schreiben, da ich den werten Lesern nichts von ihren eigenen Impressionen vorweg nehmen möchte. Nur so viel: mir hat es viel Spaß gemacht und ich habe von einer Menge Dingen erfahren, die auch noch später wichtig waren oder wurden.

Natürlich habe ich mich auch noch in den folgenden Wochen in den Gebäuden verlaufen und den Vorsatz meine Vorlesungsmitschriften jeden abend sauber abzuschreiben habe ich nach ungefähr anderthalb Wochen aufgegeben, auch war ich auf viel mehr Feten, als ich eigentlich wollte, dafür habe ich aber die Mathe-Vorlesung und das Physikpraktikum ohne bleibendes Trauma überstanden, nicht zuletzt Dank der Leute, die ich während der ESAG und durch die Arbeit im Fachschaftsrat kennengelernt habe und von denen mir einige gute Freunde geworden sind.
In meinen bisher acht Semestern habe ich gelernt, daß Professoren keine übernatürlichen Wesen sind (bei Mathematikern bin ich mir allerdings immer noch nicht sicher) und daß man sich nicht mit seinem Prüfer in der Vordiplomsprüfung anlegen sollte.

Wie Studierende eine ganze Menge erreichen können und wie mensch das große I richtig benützt wurde mir bei einem kurzen, aber interessanten Zwischenspiel im AStA beigebracht. Dort lernte ich auch, wie man eine Studentenparlamentssitzung überlebt, ohne Amok zu laufen.

Inzwischen schaffe ich es sogar zeitweilig einem Computer meinen Willen aufzuzwingen (nicht zuletzt Dank dem Computer in der Fachschaft) und durch Düsseldorf mit dem Fahrrad oder Auto zu fahren ohne sich kontinuierlichen aufzuregen. Momentan gewöhne ich mich an den Gedanken gerne in Düsseldorf zu wohnen. Doch all das sind Erfahrungen, welche die geneigten Leser beizeiten selber machen werden.
Ich hoffe nur, es ist durch diese kleine wahre Geschichte klargeworden, daß es möglich ist nach einiger Zeit und mit ein wenig Hilfe so etwas wie Durchblick durch die Uni und das Studium zu bekommen.
Empfehlen kann ich jedoch, das Studium nicht mit Scheuklappen zu betreiben, sondern auch mal über den Tellerrand zu schauen und selber aktiv zu werden. Denn es gibt auch ein lohnenswertes Leben neben dem Studium!


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