Es war eigentlich ein relativ spontaner Entschluß, der mich während
der Mittagspause in der gerontopsychatrischen Wohngruppe, in der ich meinen
Zivildienst ableistete, überkam: Ich werde Biologie studieren.
So blödsinnig es sich auch anhören mag, indem ich gedankenverloren
die Pausenzigarette über meiner Kaffeetasse abaschte, überkam
mich plötzlich der Gedanke, daß ein Biologiestudium die potentielle
Chance in sich trüge, jahrelang im Labor zu stehen und zu forschen,
vielleicht sogar etwas Wichtiges zu entdecken, aber jederzeit von seinem
Tun aufzublicken zu können und zu verkünden: "Wißt
ihr was Leute, ich werde morgen zum Amazonas reisen und im Regenwald nach
bisher noch nicht entdeckten Tieren oder Pflanzen suchen."
Mit diesem Szenario vor Augen, füllte ich dann abends die ZVS-Unterlagen
aus.
Als der ZVS-Bescheid kam, ging der Zivildienst zu Ende und schließlich
kam auch der Tag der Erstsemerstereinführung (ESAG) und ich fuhr zur
Uni.
Dort fand ich mich zwischen fast 200 Leuten wieder, die recht nervös,
schüchtern, angespannt erwartungsvoll, ängstlich, gestreßt
oder aber supercool dreinblickten. Da ich mich im Vorfeld schon ein wenig
über das Studium informiert hatte, entschied ich mich schließlich
für eine Mischung aus erwartungsvoll und cool. Es gelang mir sogar
einem nervös-schüchternen Gesicht die Praktika und Vorlesungen
des ersten Semesters aufzuzählen. Als ich daraufhin mehr in Richtung
supercool tendieren wollte, legte sich plötzlich eine Hand auf meine
Schulter und eine freundliche, dermaßen gelassene Stimme sabotierte
all meine Anstrengungen, indem sie mich fragte, ob ich denn schon zu einer
Tutorengruppe gehöre. Mit einem nervös-angespannten Gefühl
entschied ich mich der Gruppe anzuschließen.
Darüber was wir dort erlebten werde ich hier nichts schreiben, da
ich den werten Lesern nichts von ihren eigenen Impressionen vorweg nehmen
möchte. Nur so viel: mir hat es viel Spaß gemacht und ich habe
von einer Menge Dingen erfahren, die auch noch später wichtig waren
oder wurden.
Natürlich habe ich mich auch noch in den folgenden Wochen in den
Gebäuden verlaufen und den Vorsatz meine Vorlesungsmitschriften jeden
abend sauber abzuschreiben habe ich nach ungefähr anderthalb Wochen
aufgegeben, auch war ich auf viel mehr Feten, als ich eigentlich wollte,
dafür habe ich aber die Mathe-Vorlesung und das Physikpraktikum ohne
bleibendes Trauma überstanden, nicht zuletzt Dank der Leute, die ich
während der ESAG und durch die Arbeit im Fachschaftsrat kennengelernt
habe und von denen mir einige gute Freunde geworden sind.
In meinen bisher acht Semestern habe ich gelernt, daß Professoren
keine übernatürlichen Wesen sind (bei Mathematikern bin ich mir
allerdings immer noch nicht sicher) und daß man sich nicht mit seinem
Prüfer in der Vordiplomsprüfung anlegen sollte.
Wie Studierende eine ganze Menge erreichen können und wie mensch das große I richtig benützt wurde mir bei einem kurzen, aber interessanten Zwischenspiel im AStA beigebracht. Dort lernte ich auch, wie man eine Studentenparlamentssitzung überlebt, ohne Amok zu laufen.
Inzwischen schaffe ich es sogar zeitweilig einem Computer meinen Willen
aufzuzwingen (nicht zuletzt Dank dem Computer in der Fachschaft) und durch
Düsseldorf mit dem Fahrrad oder Auto zu fahren ohne sich kontinuierlichen
aufzuregen. Momentan gewöhne ich mich an den Gedanken gerne in Düsseldorf
zu wohnen. Doch all das sind Erfahrungen, welche die geneigten Leser beizeiten
selber machen werden.
Ich hoffe nur, es ist durch diese kleine wahre Geschichte klargeworden,
daß es möglich ist nach einiger Zeit und mit ein wenig Hilfe
so etwas wie Durchblick durch die Uni und das Studium zu bekommen.
Empfehlen kann ich jedoch, das Studium nicht mit Scheuklappen zu betreiben,
sondern auch mal über den Tellerrand zu schauen und selber aktiv zu
werden. Denn es gibt auch ein lohnenswertes Leben neben dem Studium!